Island 2017 – von wunderbaren Pferde, einmaliger Natur und Enttäuschungen

Ja wo fängt man an? Von vielen Fotografenfreunden wurde ich in diesem Jahr zu meinen Islandfotos angesprochen und ja wenn man mit dem Schönen anfangen möchte – die Bilder sind einmalig und ich liebe viele dieser Bilder!

Trotzdem war dieser Fotoworkshops ganz anders, als erwartet und deshalb möchte ich gerne diesen Blogbeitrag verfassen um allen die sich interessieren so eine Reise zu machen, die Möglichkeit meiner Erfahrungen zu geben.

Im letzten Januar buchte ich den letzten Platz der Fotoworkshop nach Island. Ich buchte ihn, weil der Preis wirklich super war, ich die Bilder der einen Fotografin aus Island immer genial fand und man die Bilder nach dem Workshop frei benutzen durfte. Es hörte sich nach einem tollen Programm an und es wurden viele Orte angefahren, die ich vom vorigen Islandurlaub schon kannte und wo ich wusste, dass diese Motive mit Islandpferden einfach nur genial werden konnten. – Erst später erfuhr ich von anderen Teilnehmern, dass diese letzten Plätze gar nicht mit den ersten Teilnehmern besprochen wurden, als diese sich anmeldeten hieß es, es sei eine wirkliche Kleingruppe mit höchstens 8 Teilnehmern, wir waren dann 12.

Für mich waren 12 Teilnehmer oberste Grenze und deshalb ok, ich weiß, dass es bei so vielen Teilnehmern zwar auch mal enger werden kann, das hatte ich beim Workshop von Wiebke Haas und Carina Maiwald schon erfahren können, aber das geht mit Kompromissen dann ganz gut. Vor allem, wenn zwei Fotografen begleitend zur Seite stehen.

Es wurde eine Facebookgruppe eröffnet für die Teilnehmer und es gab im Vorfeld nette Tipps zu Kleidung, Unterkünften und Ausrüstung. Das fing gut an und so wuchs die Vorfreude auf die Reise im Juni. Dies sollte auch für mich mein erster Workshop in englischer Sprache sein und ich freute mich sehr auf die internationalen Teilnehmer (USA, Schweden, Katar und Deutschland).

Am Vorabend des Workshops im Juni trafen wir uns zum Kennenlernen alle in einem Restaurant in Reykjavik, auch das fand ich sehr schön geplant. Leider kam ich etwas zu spät, weil wir die Rückfahrt von der Eisbucht etwas unterschätzt hatten, und war verwundert über die zurückhaltende Begrüßung. Die beiden Kursgeber saßen am Kopf des Tisches und stellten sich vorerst noch nicht vor. Ich unterhielt mich nett mit meinen Tischnachbarn bis zur Vorstellungsrunde.

Am nächsten Morgen wurden wir von unseren Unterkünften in Reykjavik abgeholt, auch das war ein toller Service. Wir fuhren zum schwarzen Strand von Eyrarbakki. Auf dem Weg dorthin fragten wir, welche Pferde denn kommen würden. Das war alles noch nicht ganz klar. Ok ich lasse mich auch gerne überraschen.

Der Hengst Sigur frá Stóra – Vatnsskarð war dann wirklich eine Augenweide. Nur leider sollte er am darauffolgenden Tag auf einer Zuchtschau präsentiert werden, weshalb seine Mähne als Doppelmähne zum Teil eingeflochten war. Sehr schade für natürliche Bilder.

 

Der Hengst hatte leider panische Angst vor dem Wasser. Auch das war natürlich für ein Strandshooting mehr als schade, aber es sind eben Tiere. Wir überlegten im Anschluss nur, ob man bei der Auswahl der Pferde das nicht hätte berücksichtigen können. Sigur wurde dann oben auf dem Strand longiert – also mit Halfter und Longe, die dann in der Nachbearbeitung weggestempelt werden müssen. Für erfahrene Photoshopnutzer ja eigentlich auch kein Problem, aber die beiden Kursgeber setzten da viel voraus und wussten noch nicht einmal, ob alle Fotografen sich in der Bildbearbeitung überhaupt auskennen, denn beschrieben wurde das als Grundlage beim Workshop nicht und gezeigt wurde auch nichts in Sachen Bearbeitung, wie überhaupt eigentlich nichts.

Gegenlichtbilder sind was Feines, aber nur, wenn man die Tipps und Kniffe kennt. Es wurde während des gesamten Workshops wirklich nie von den Workshopgebern über Kamera-Einstellungen, Motivwahl, Bildgestaltung oder Posen gesprochen. Naja gut nie ist übertrieben, wenn man die Aussprüche „ich fotografiere das unterbelichtet und hole die Sachen in der Nachbearbeitung raus“, „nehmt erst das Weitwinkel und dann das Teleobjektiv“. Die Motive wurden nur miteinander besprochen, die Gruppe wurde nicht wirklich einbezogen. Aber wir durften Wünsche äußern und weil ich unzufrieden war mit dem, was mir angeboten wurde, wünschte ich mir vieles und positionierte die Pferde so, wie ich es gut fand. Erklärte den anderen auch wieso. So was hätte ich mir bei einem Workshop aber auch von den Workshop-Gebern erwartet.

Man hört in den letzten Worten sicherlich schon meine Hauptkritik raus, ein Workshop ist für mich etwas, wo ich durch die Workshopgeber noch einiges für mein Arbeiten mitnehmen kann. Der Workflow, die Erfahrungen und deren Sicht auf die Dinge. Aber leider war dies einfach kein Workshop. Das war wahrscheinlich meine größte Enttäuschung. Als Fotoreise hätte ich diese Erwartungen nicht gehabt und die Enttäuschung wäre sicherlich kleiner gewesen.

Nach dem Hengst, hatten wir noch eine junge Stute am Strand. Auch diese hatte Angst vor dem Wasser, also haben wir sie auch am oberen Strand beim Longieren fotografiert. Durch den tiefen Sand war das Laufen aber sehr anstrengend. Leider waren wir deshalb schnell fertig mit dem Shooting. Der Strand hätte allerdings alle möglichen anderen Motive für Portraits geboten. Da die Absprache mit den Modells vorwiegend auf Isländisch passierte, bekamen wir aber erst mit, dass das Shooting zu Ende war, als das Pferd von dannen zog. Hier hätte ich mir generell mehr Kommunikation gewünscht, man wusste nie wirklich was geplant war. Am ersten Morgen wollte ich da auch nicht groß reinreden. Also hatten wir ETWAS Zeit zu überbrücken. Nur 4 Stunden bis zum nächsten Shooting. Eigentlich ja kein Problem, da es in der Fotografie ja wahnsinnig viele Themen gibt, die man theoretisch besprechen kann. Wir fuhren erstmal zu Kentucky Fried Chicken.  Für die Vegetarier dabei vielleicht nicht die beste Alternative, aber als wir dort 2 Stunden saßen ohne Inhalt wurden einige doch etwas unruhig. Die Insta-Stories waren da scheinbar interessanter bzw. mussten auch gestaltet werden, als die Teilnehmer. Keine Theorie, kein Zeigen von bereits entstandenen Fotos – die Gruppe auf mehreren Tischen verteilt – ein sehr ungünstiger Start.

Als es dann zum nächsten Shootingort ging, waren wir schon voller Hoffnung. 2 Stunden konnte man gut bei Motivsuche und Absprachen überbrücken, ABER nein es wurde sich an einen Picknicktisch gesetzt und alle konnten machen, was sie wollen. Die Fliegen fraßen uns quasi auf, keine Fotografiethemen, die Hälfte der Gruppe lag auf dem Rasen. Die Gruppe löste sich vor aller Augen auf. Einige schlenderten zum Wasser und waren ziemlich lange weg. Das störte keinen und als mir klar wurde, dass nichts passierte, ging ich auch um mich mit denen, die wollten, auszutauschen.

Alle, die bereits auf Workshops waren, waren entsetzt. Wie wenig Interesse es an den Teilnehmern gab und wie wenig auf diese geachtet wurde, das die vorsichtigen Anfragen zum Tagesablauf scheinbar gar nicht verstanden wurden, die Fotografie gar nicht das zentrale Thema war und es scheinbar nur darum ging, dass die Workshop-Geber selber die Motive einfingen. Dieses wurde uns damit erklärt, dass sie nur für die Besitzer etwas „mitfotografieren“. Ich finde es durchaus gut, wenn die Workshop-Gebern mit fotografieren, wenn sie dann erklären, was sie sehen und wie sie das Bild aufbauen und welche Einstellungen sie haben, aber das fehlte ja alles.

Wobei ich sagen muss, dass die eine Fotografin federführend war beim Workshop und die andere auch nur Workshops von dieser besucht hatte. Auch das fand ich sehr schade, weil ich von der Fotografin, deren Bilder ich sehr mag, keinerlei Einblick zur Fotografie bekam, weil sie sich unter die andere Fotografin stellte.

Nach 4 Stunden Pause folgten dann zwei weitere Pferde vor wirklich toller Kulisse und wunderschön. 

Der Tag war dann vorbei und wir hoffte auf die nächsten Tage. Leider blieb es bei der schlechten Kommunikation, langen Wartezeiten und keinerlei Anleitung. Selbst die Pferdemotivation wurde dann von den Teilnehmern organisiert (Handywiehern, Winken und deshalb dann Motive nicht selber fotografiert, weil die Kamera nicht gleichzeitig in der Hand war).

Bei den Shootings am Wasserfall, gab es leider keine Hilfsperson und keine Gummistiefel für den Pferdehalter – die Teilnehmer hatten da im Gegensatz zu den leitenden Fotografen dran gedacht , so dass diese Shootings aufgrund von nassen Füßen abgebrochen wurde. Die Kosten für vorbestelltes Mittagessen wurden nicht kommuniziert und einfach vorausgesetzt.

Wirklich am traurigsten für mich war wahrscheinlich, dass bis zum letzten Tag keinerlei Empathie für die Teilnehmer da war. Denn die Enttäuschung haben wir zum Teil auch versucht zu kommunizieren, aber es war gar nicht erwünscht. Bei einer Feedbackrunde, die am letzten Tag in einer der vielen Pausen begonnen wurde, ohne dass alle Teilnehmer zusammen waren, wurde diese Kritik dann geäußert, auch durchaus konstruktiv. Das wurde dann schnell abgebrochen und ganz am Ende gab es dann keine Zeit mehr.

Ich denke, dass dieser Workshop bzw. die Fototour sehr viel Potenzial hätte. Wegen der einmaligen Kulissen und der tollen Pferde, aber gänzlich anders organisiert werden müsste. Weil ich nicht nur meckern mag, habe ich deshalb eine 2 Seiten lange Nachricht noch am gleichen Abend an die Workshopgeber geschrieben. Mit konstruktiven Vorschlägen, die aus Erfahrungen aus meinen eigenen Workshops und denen, die ich besucht habe resultieren. Leider, leider wurde darauf, wie auch schon beim persönlichen Gespräch gar nicht eingegangen. Natürlich ist so eine Kritik subjektiv, aber ich weiß von mindestens 5 weiteren Teilnehmern, die genauso enttäuscht waren und das in der Feedbackrunde auch so angesprochen haben. Wie man sich dann so abschottet und das ignorieren kann, ist für mich sehr fragwürdig und zeigt, dass es gar keine Motivation für eine Änderung der Organisation gibt und für sie scheinbar alles super war.

Ich habe dieses Feedback auch an interessierte Fotografen weitergeleitet und alle sagten mir, dass ich mir da viel zu viel Mühe gemacht hätte. Aber wenn es für mich ein Feedback des Einsehens gegeben hätte, hätte ich den Kurs sicherlich weiterempfohlen für die Motive und mit dem Wissen, dass sie was ändern. So kann ich das leider nicht.

Wer Interesse an dem Feedback hat, was ich gegeben habe, kann das gerne von mir bekommen.

Am Ende noch zum Besten am ganzen Kurs. Ich habe tolle andere Fotografen kennengelernt! Schaut zum Beispiel gerne mal auf den Seiten von Ann-Christin Vogler und Sabine Scharnberg vorbei !

Photographed at ‚The Horses of Fire & Ice‘ workshop in Iceland 2017, by Liga Liepina & Denise Landerberg

 

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